Kosmos aus Angst und Sehnsucht

Kosmos aus Angst und Sehnsucht


Ein musikalisch-literarischer Abend zwischen den Welten

IMG E1441a klein„Avantgarde“ - dieser Begriff wird üblicherweise auf in der jüngeren Vergangenheit entstandene Werke angewandt, die neue Ausdrucksformen suchen.
Bei näherer Betrachtung stellt man jedoch fest, daß die Frage der Modernität gar nicht an unsere Gegenwart gebunden ist. Zu allen Zeiten gab es in den schönen Künsten kühne Geister, die tradierte Kunstformen in Frage stellten oder schlichtweg ignorierten und somit Werke geschaffen haben, die vom Barockzeitalter bis heute dem Anspruch „Avantgarde“ zu sein, mühelos standhalten. Daß viele dieser Vordenker eben jene „Altmeister“ sind, die wir heute als Schöpfer und Hüter mitteleuropäischer Musiktradition betrachten, spricht dafür, welche Überzeugungskraft neu erschlossene Wege in der Kunst entwickeln können.
Dies greifbar zu machen ist die Absicht, die hinter dem Programm mit Werken von John Cage, Georg Philipp Telemann, Carlotta Ferrari, Heinrich Ignaz Franz von Biber, David Toub und Carl Rosier steht.

Die Komposition „FOUR“ des philosophisch fernöstlich geprägten Komponisten John Cage bietet dem Programm eine Art Klammer, welche die unterschiedlichen Teile zusammenhält. Neben Fantasien für Violine solo erklingen von Georg Philipp Telemann Werke für vier Violinen ohne Basso continuo, eine Instrumentierung die nur sehr selten vorzufinden ist. Ebenso wie Kompositionen für drei und vier Violinen ohne Bass des belgischen Barockkomponisten Carl Rosier sowie des deutschen Komponisten Johann Vierdanck. Die italienische Komponistin Carlotta Ferrari (*1975) verbindet eine typisch barocke Spielpraxis, die Scordatur, mit der Klangwelt der neuen Musik.

 

Heinrich Ignaz Franz von Biber dürfte sowohl als bekannteste, als auch schillerndste Figur der ewigen Avantgarde gelten. Wie kein anderer schuf er zu seiner Zeit Werke mit ungeahnten Finessen. Keiner nutze die von ihm so meisterhaft beherrschte Skordatur wie er. Biber schließt mit jedem Werk die Tür zu einer neuen Denkwelt auf.

 

Die Instrumentalwerke werden von Texten des Schriftstellers Italo Calvino ergänzt. In seinem Werk „die unsichtbaren Städte“ berichtet Marco Polo dem Mongolenkaiser Kublai Khan von unerhörten, rätselhaften und unsichtbaren Städten. In Verbindung mit der Musik wird Italo Calvino als „der fabelhafteste Fantast der italienischen Literatur“ (Die Welt) erlebbar.

 

 Ensemble „Safrano“

Christiane Gagelmann, Almut Schlicker, Rahel Mai,
Wolfgang von Kessinger
Barockviolinen

Boris Schwiebert
Sprecher

© Christiane Gagelmann