Gerd Lünenbürger

Gerd-luenebuerger

Gerd Lünenbürger

1958 – 2010

Am Mittwoch dem 27.10.verstarb mittags um 13 Uhr in Bern im Kreis einiger seiner engsten Freunde Gerd Lünenbürger, schwer gezeichnet von seiner rasant fortschreitenden unheilbaren Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose).
Nach seinem Blockflötenstudium in Nürnberg, Wien und Amsterdam begann er seine Lehrtätigkeit in Bremen, Bern und Biel und wirkte seit 1991 als Professor an der UDK Berlin sowie als Dozent bei zahlreichen internationalen Meisterkursen.
Gerd war ein überaus beliebter Lehrer und Kollege, ein wundervoller, feinsinniger Mensch mit subtilem Sinn für Humor, größtem Einfühlungsvermögen und Einsatz besonders auch für Benachteiligte und Schwächere, ein überaus wacher Geist und Meister der perfekt ausbalancierten Formulierung in Wort und Musik.
Seine besondere Liebe galt dem Renaissance-Blockflötenconsort und der neuen Musik.
Ein Schwerpunkt seiner pädagogischen und künstlerischen Arbeit war die Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Blockflötenrepertoire. Er pflegte lebhaften Austausch mit vielen Komponisten, spielte zahlreiche Uraufführungen und leitete regelmäßig Kurse zur Aufführungspraxis neuer Blockflötenmusik in Europa und den USA.
In Zusammenarbeit mit befreundeten Musikern, Schauspielern und bildenden Künstlern realisierte er eigene musikalische bzw genreübergreifende Projekte. 2005 erschien seine Einspielung von Solowerken von Scelsi, Lehmann, Lasagna, Yun, Arteaga und Lavista bei der Edition Zeitklang.
Ein großer aktiver Freundeskreis ermöglichte ihm bis zuletzt private Pflege im eigenen Umfeld.
Er lebte sein Leben uneitel und ohne Trennung zwischen privatem und öffentlichem Raum. Sein Tod war selbstbestimmt (in seinem Auftrag auch der Verweis auf ex-international als politisches Signal), sein Geist vollkommen klar, gefangen in einem zunehmend gelähmten Körper, der zuletzt seiner polyglotten Zunge die Artikulation versagte, nicht aber das Lachen.

Christoph Huntgeburth